Ein Motor-Montagebericht für die Vespa GS / 150

Vespa GS / 150

Motor-Montagebericht von Udo Heydorn

 

Achtung, alle Teile im Motor werden mit Öl oder Fett montiert.

Gehäusehälfte zur Kupplung vorbereiten

Alle Lager für die Antriebswelle, wenn erforderlich erneuern. Nach dem einsetzen des inneren Kugellagers im Gehäuse, den davor sitzenden Gewindering mit 1 Körnerschlag sichern — Abstands-Hülse zwischen den Lagern ( innen und Außen) nicht vergessen — Außen zum Rad sitzt normalerweise ein Rollen/Nadellager, da es aber nicht mehr erhältlich ist, wird es durch 2 nebeneinander sitzenden Kugellagern ersetzt. — Die Lager außen mit einem Segering (Sicherungsring) sichern und dann den Simmering davor einsetzen. — Der Simmering dichtet eine Laufbuchse ab.

Vorgelege einsetzen. Das Vorgelege auf Verschleiß prüfen, ggf. das Kugellager erneuern. — Zuerst 2 kürzere Gehäuseschrauben von 49 mm Länge einsetzen (sonst ist alle Arbeit vergeblich). –Die Achse zurückdrücken und das Vorgelege im Gehäuse von unten nach oben einfügen. Die Achse wieder vordrücken und Außen mit einer Unterlegscheibe und 2 Muttern sichern.

Antriebswelle einbauen. Das Gehäuse (mit Lager) erwärmen und die Antriebswelle (wenn möglich aus dem Gefrierfach) so einsetzen, dass die gefräste Stelle zum Vorgelege zeigt ( welches gleichzeitig die längere Nute in der Schaltkreuzführung ist ) dann mit einem Gummihammer eintreiben.

In dieser Position wird die Antriebswelle auch demontiert.

Schaltkreuz einsetzen. Die Antriebswelle wird so hingedreht, das die längere Nute der Schaltkreuzführung oben steht. Das Schaltkreuz wird mit den Rundungen in die Quernuten eingeführt und so verdreht, dass die gefräste Nase Richtung Führungsbuchse zeigt. Mit einer Sicherungsscheibe wird die Schaltwelle (Linksgewinde) durch die Führungsbuchse in das Schaltkreuz hineingedreht und gesichert.

Zahnräder montieren. Die Zahnräder entgegengesetzt der Größe zum Vorgelege aufschieben

und darauf achten, dass sie mit den Vorgelegerädern parallel in einander Greifen. – Distanzscheibe
und Sicherungsring aufsetzen. Durch verschieben des Schaltkreuzes prüfen, ob eine Leerlaufstellung vorhanden ist.

Kurbelwelle einsetzen. Die Kurbelwelle vorbereiten (die Hauptlager prüfen ggf. erneuern, evt. Kurbelwelle auf Unwucht prüfen lassen) — Den Simmering (Wellendichtring) erneuern — Die Gehäusehälfte um die Lageraufnahme erwärmen und die Kurbelwelle (vielleicht aus dem Kühlschrank) mit beiden aufgesetzten Hauptlagern einsetzen.

Das Gewinde für die Öl-Ablassschraube prüfen.

Gehäusehälfte zur Lichtmaschine vorbereiten

Kickstartereinheit überholen. Zuerst Demontage. Das Antriebsritzel durch verdrehen der Kickstartereinheit herausnehmen (auf 2 kleine Druckfedern achten) — Den großen Sicherungsring herausnehmen, die Führungsschraube der Antriebwellenaufnahme herausdrehen und die gesamte Kickstartereinheit mit einem Gummihammer nach innen herausschlagen. — Alle Teile begutachten und in umgekehrter Reihenfolge wieder einbauen. – O-Ring nicht vergessen.

23 Nadeln, 3,0 x 11,8 mm lang, mit Fett im Gehäuse für die Führung der Hauptwelle des Vorgeleges einsetzen.

Den Simmering (Wellendichtring für Kurbelwelle) einsetzen.

Das Gewinde für die Öl – Einfüllschraube prüfen.

Vorbereitung für die Montage der beiden Gehäusehälften

10 Gehäuseschrauben 54mm lang ( M 7 )
2 Gehäuseschrauben 49mm lang ( M 7 ) (sind schon eingebaut)
8 normale Muttern M 7
4 Hutmuttern M 7
8 Unterlegscheiben 7mm
8 Federringe 7mm
4 Sicherungsbleche für die Hutmuttern

Die Gehäusedichtung vorbereiten, evt. auch flüssiges Dichtungsmittel zusätzlich.

Montage der Gehäusehälften

Die Gehäusehälfte zur Kupplung mit der Gehäusedichtung belegen, evt. Beidseitig mit Dichtungsmittel bestreichen.

Die Gehäusehälfte zur Lichtmaschine erwärmen. Mit einem Heißluftföhn oder im Backofen.

Die Gehäusehälften aneinander legen, mit leichten Schlägen (mit dem Gummihammer) und mit Hilfe der Gehäuseschrauben, sie zusammen ziehen. Darauf achten dass der Pleuel nicht eingeklemmt wird.Gleichmäßig rundherum die Gehäuseschrauben stück für stück anziehen und immer mit leichten Schlägen nachsetzen. Die Hutmuttern und die Sicherungsbleche werden im Bereich der Lichtmaschine montiert.

Stehbolzen für Zylinder und Zylinderkopf prüfen. Wenn sie erneuert oder überholt werden müssen, (mit Hilfe von 2 gegeneinander gekonterten M8 Muttern) werden sie mit dem kürzeren Gewindeteil und mit Schraubensicherung wieder in die Gehäusehälften hereingedreht.

Kolben, Zylinder und Zylinderkopf aufsetzen. Zuerst Zylinderfußdichtung aufsetzen (evt. mit Dichtungsmittel).
Es gibt 2 Möglichkeiten den Kolben in den Zylinder einzusetzen.
1.) Der Kolben wird mit der Ausfräsung nach oben am Pleuel angesetzt und dann von unten in den Zylinder unter zusammendrücken der Kolbenringe hereingeschoben. Bei dieser Variante ist sehr schlecht zu erkennen, wo die Stifte sitzen, die ein verdrehen der Kolbenringe verhindern sollen.
2.) Diese Variante bevorzuge ich. Der Kolben ( die Ausfräsung am Kolben muss in Richtung Vergaserstutzen zeigen ) wird soweit von unten in den Zylinder gesteckt, dass der Kolbenbolzen noch zu sehen ist. Der Zylinder wird unter der Führung der Stehbolzen aufgesetzt und der Kolbenbolzen wird dann erst eingeführt. Sicherungsringe nicht vergessen. — Der Zylinderkopf wird mit Unterlegscheibe, Federring und Mutter gleichmäßig festgezogen. Dem oberen Stehbolzen zum Rollerchassis hin wird noch eine Langmutter aufgedreht, für die Befestigung der Zylinderkopfhaube.

Kupplung. Die Kupplung wird zerlegt, evt. mit neuen Teilen ( Korkscheiben oder Druckfedern) überholt. — Die Trennscheiben müssen bei der Montage mit der Wölbung ( innen) zu den Druckfedern zwischen den Korkscheiben gelegt werden. — Die Korkscheiben und Trennscheiben werden mit reichlich Öl eingesetzt. — Sicherungsring vor dem einsetzen etwas nach außen biegen, um die Spannung nach dem einsetzen zu erhöhen.

Kupplung einsetzen. Den Nutenstein/Keil mit etwas Fett einsetzen. Die Kupplung aufschieben dann mit Federscheibe und Mutter sichern. — Den Druckteller einsetzen und den Kupplungsdeckel mit Messingdruckstück aufsetzen.

Lichtmaschine / Polrad. Die Lichtmaschinen/Ankerplatte wird so eingebaut, dass die Kontakte auf ca. 1 Uhr zeigen. — Die Kabel der Ankerplatte werden von innen durch die Kabelführungen nach außen gesteckt . — Durch die untere Führung das schwarze Kabel von den Kontakten zur Zündspule. — Das weiße, gelbe und 2 schwarze Kabel durch die obere Führung zum Klemmbrett. — Vom Klemmbrett kommend wird ein rotes Kabel von außen durch die obere Führung nach innen und von dort durch die untere Führung wieder nach außen zur Zündspule geführt. — In der oberen Kabelführung wird eine Kabeldurchgangsschraube ( Schlüsselweite 22mm) von außen hineingedreht.

Zündspule. Die Zündspule wird auf einen Haltebügel montiert. Dieser Haltebügel wird oben mit einer Kabeldurchgangsschraube dort befestigt, wo das schwarze und rote Kabel von innen der Lichtmaschine herauskommt. — Unten wird der Haltebügel an einer Gehäuseschraube befestigt.

Führung für die Schaltseile montieren. An einer Motorgehäuseschraube auf der Höhe der Auspuffverschraubung wird ein Führungsbügel für die Schaltseile montiert. Von diesem Führungs-

bügel werden 2 kurze Seilhüllen (als Führung für die Schaltseile) zum Schaltsegment eingesetzt.

Jetzt wird das Lüftergehäuse montiert. 

Zündung einstellen. Das Polrad hat zwei große Bohrungen ( Oval oder Rund ) wodurch der Kontaktabstand eingestellt wird. Da es ein 1 Zylindermotor ist, muss das Polrad 1 Umdrehung machen, um die Kontakte 1x zu öffnen, gleichzeitig wird der Kolben auf den höchsten Punkt im Zylinder geschoben, der als OT ( oberer Todpunkt ) geführt wird. Welches die richtige Bohrung ist, um den Kontaktabstand einstellen zu können, kann man mit Hilfe eines Schraubenziehers feststellen. Der Schraubenzieher wird in die Kerzenbohrung gesteckt und das Polrad wird soweit gedreht bis der Kolben am höchsten steht, jetzt befindet sich genau über den Kontakten eine Bohrung. Durch dieses Loch kann jeder das öffnen der Kontakte beobachten und hier werden sie auch auf 0,4 mm Abstand eingestellt. Wenn das gegenüberliegende Loch oben ist, werden die Kontakte wieder geschlossen.

Jetzt muss der Zündzeitpunkt noch eingestellt werden.
Und das mache ich immer wie folgt: Statt der Zündkerze, wird eine Zündeinstellehre in das Kerzengewinde gedreht. Dieses Teil sieht aus wie eine Zündkerze, nur dass in der Mitte ein Gewindebolzen ist, den man hinein oder heraus drehen kann. ( So eine Lehre kann auch aus einer alten Zündkerze hergestellt werden ). Dieser Gewindebolzen wird soweit hineingedreht, bis der Kolben beim drehen des Polrades ( rechtsherum) nicht mehr über den OT hinweggedreht werden kann. Dieser Stand des Polrades wird auf dem Polrad sowie am Lüftergehäuse markiert. Nun wird das Polrad linksherum gedreht bis der Kolben wieder oben anschlägt. Hier wird wieder die Markierung vom Polrad auf das Lüftergehäuse übertragen. Auf dem Lüftergehäuse sind jetzt 2 Markierungen, die Mitte dieser beiden Markierungen ist der OT = der oberste Punkt des Kolbenhubes.
Jetzt spricht man ? Grad an Vorzündung ( je nach Modell ). Dass heißt, das Gemisch im Zylinder muss gezündet werden, bevor der Kolben den OT erreicht hat. Bei der Vespa GS /3 liegt man bei 27° – 31° Grad immer richtig. Diese 27° Grad Vorzündung kann wie folgt errechnet werden.
Das Polrad hat 142 mm Durchmesser. Bei einer Umdrehung legt das Polrad 360° Grad zurück.
Nun wird der Umfang errechnet 142mm x 3,1452 (Pi) = 446,6184mm : 360° = 1,24mm pro °Grad
Bei 27° Grad Vorzündung heißt es – 27° x 1,24mm = 33,48 mm
Auf dem Polrad haben wir eine Markierung des OT. Jetzt messen wir 33,48mm nach rechts von dieser Markierung und machen dort eine weitere Markierung. Dieses ist die Markierung für den Zündzeitpunkt.

Zündzeitpunkt einstellen. 

Der Zündzeitpunkt kann mittels einer Prüflampe oder mit einem Streifen Silberpapier eingestellt werden.

Mit einer Prüflampe: Da die Kontakte überwiegend den Minuspol der Zündspule speisen ( schwarzes Kabel ) können wir für die Einstellung irgend eine Batterie nehmen 6 Volt oder 12 Volt. Den Minuspol der Batterie verbinden wir irgendwo mit der Masse am Motors. Am Pluspol klemmen wir die Prüflampe und halten die Spitze der Prüflampe an das schwarze Kabel, welches zur Zündspule geführt wird. Die Zündeinstellehre wird aus dem Kerzengewinde entfernt. Das Polrad wird rechts herum gedreht bis die Markierung des Zündzeitpunktes mit der Markierung des Lüftergehäuses übereinander steht. Die Prüflampe, die bei geschlossenen Kontakten leuchtet, muss genau in dieser Stellung des Polrades ausgehen. Durch verdrehen der Ankerplatte ( sie hat 3 Befestigungsschrauben ) kann dieser Zeitpunkt genau eingestellt werden. Die Ankerplatte wird immer in die Richtung gedreht, um die Markierung des Polrades mit der Markierung des Lüftergehäuses übereinander zu bringen.

Wenn keine Prüflampe vorhanden ist, nehmen wir einen streifen Silberpapier und klemmen ihn zwischen den Kontakten ein. Beim Drehen des Polrades ziehen wir gleichzeitig leicht am Streifen Silberpapier bis die Markierungen wieder übereinander stehen, jetzt müssen sich die Kontakte öffnen und das Silberpapier lässt sich herausziehen.
Bei diesen Arbeiten kann es vorkommen, dass das Polrad mehrere male abgenommen werden muss.
Durch Wechseln des Polrades oder der Ankerplatte ( vom anderen Motor oder Ersatz ), kann es vorkommen, dass die Befestigungslöcher in der Ankerplatte nachgearbeitet werden müssen.

Das Polrad wird (wie bei der Kupplung) auch mit einem Nutenstein/Keil auf einer konischen Welle geführt und arretiert. Mit einer Unterlegscheibe, Zahnscheibe und Mutter wird das Polrad gesichert

Davor wird ein Innensegering eingesetzt. Dieser Innensegering, hat 2 Aufgaben zu erfüllen.

1.) Er sichert die Mutter so, das sie sich zwar lösen, aber nicht herausfallen und verloren gehen kann.

2.) Beim Lösen des Polrades ist er eine große Hilfe. Die Mutter wird beim lösen gegen diesen
Segering gedreht, bis eine Spannung entsteht. Entweder löst sich das Polrad gleich von der Welle
oder mit leichten Schlägen mit dem Gummihammer wird etwas nachgeholfen.
Danach wird der Ventilator (Lüfterrad) auf das Polrad geschraubt und zum Schluss kommt der Lüftergehäusedeckel davor.

Die Kühlhaube für den Zylinder kann jetzt montiert werden.

Der Motor ist Einbaufertig.

Noch einen hinweiß habe ich, es ist ratsam beim Einbau, zwischen Motor und Traverse eine 2mm starke Unterlegscheibe zu legen. Der Stehbolzen ist teilweise so lang, dass das Kupplungsseil an der spitze des Stehbolzens scheuert und irgendwann abreißt. An diesem Stehbolzen wird auch der Abstandshalter für die Schaltseile (zum Auspuffrohr) befestigt.

Vergaser, Luftfilter, Auspuff, Stoßdämpfer mit Halterung, Hinterrad, Verkabelung und anklemmen der Seile wird am eingebauten Motor vorgenommen.

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